Karlsfeld, Grundschule an der Schulstraße

Ein komplizierter Schulverband zwischen München und Karlsfeld

In der bis 1802 zurückreichenden gemeinsamen Schulgeschichte der Siedlungen Karlsfeld und Ludwigsfeld war der 22. September 1944 der schwärzeste Tag: Ein Bombenvolltreffer zerstörte die zweiteilige Schule in Ludwigsfeld an der alten Münchener Straße. Unter ärmlichsten Verhältnissen begann im Oktober 1946 im kleinen Saal der Gastwirtschaft „Zur Lüfte" in Ludwigsfeld wieder der Unterricht durch Lehrerin Frieda Rummelsberger. Im März 1946 kam als weiterer Lehrer Alois Angerpointner (späterer Schulrat) hinzu. Der Zustrom von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen in drei Lagern und rasch errichteten Wohnsiedlungen führte zu hohen Schülerzahlen: Zwei Lehrer unterrichteten schließlich in dem Wirtshaussaal über 200 Kinder in vier Klassen.

Im Oktober 1948 richtete die Stadt München in der BMW-Wohnsiedlung München-Karlsfeld mit Unterstützung der Werksleitung in einer Baracke, in der während des Krieges Zwangsarbeiter und nach 1945 Flüchtlinge untergebracht waren, die „Volksschule BMW-Siedlung Karlsfeld" ein, um die Schulen in Ludwigsfeld und Allach zu entlasten. Rektor Balles eröffnete den Unterricht in vier Lehrsälen für sieben Klassen mit 337 Schülern. Noch im gleichen Jahr stieg die Schülerzahl auf 418. Der Raum einer Wäscherei im gleichen Gebäude wurde deshalb mit einbezogen. 1949 übernahm Rektor Reinlein die Schulleitung. Die Schülerzahl wuchs weiter auf 432 Kinder. 63 Erstklässler waren von einer einzigen Lehrkraft im Schichtunterricht zu betreuen. Erst 1953 bekamen die Mädchen Toiletten, um nicht mehr in eine Gastwirtschaft „außer Haus" gehen zu müssen.

Die Übernahme der BMW-Siedlung durch MAN im Jahre 1957 führte zur Umbenennung der Siedlung in „Gerberau" (nach dem Firmengründer Heinrich Gerber) und der Schule in „Volksschule München-Gerberau" als Gemeinschaftsschule mit 12 Klassen. 1958 übernahm Rektor Roth die Schulleitung, 1961 folgten ihm Rektor Maier und 1963 Rektor Maurer nach. Die „Barackenschule" war nicht weniger als 17 Jahre – bis 1965 – in Betrieb.

Nach langwierigen Verhandlungen zwischen der Landeshauptstadt München und der Gemeinde Karlsfeld kam es 1961 zur Gründung eines Schulverbandes und endlich auch zum Bau eines neuen 4,6 Millionen Mark teuren Schulhauses nach den Plänen der Architektengemeinschaft Bierling und Schorr. Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel und Bürgermeister Bruno Danzer übergaben am 1. Juli 1965 die „Verbandsvolksschule München-Karlsfeld" an Rektor Kurt Maurer, der den Umzug mit Unterstützung von Lehrkräften und Schülern selbst durchgeführt hatte. Im Gegensatz zur tristen Umgebung der Barackenschule lag die neue Schule landschaftlich sehr reizvoll an der Würm, zwischen hohem Baumbestand.

1971 begann ein neuer Abschnitt. Die bayernweite Schulreform verlangte die Teilung der Volksschule in Grund- und Hauptschulen. Aus der Verbandsvolksschule wurde die „Verbandsgrundschule München-Karlsfeld". Noch waren sieben Klassen der neu eingerichteten Hauptschule Karlsfeld und sechs Klassen der Griechischen Privatschule eingelagert, was eine starke Überbelegung des neuen Hauses mit sich brachte. 1973, rechtzeitig zu Schulbeginn, konnten die Hauptschüler in das fertiggestellte Schulgebäude an der Krenmoosstraße umziehen und somit die Raumnot in der Schulstraße vorübergehend beseitigen.

1977 übernahm Rudolf Lorenz die Schulleitung, nachdem Rektor Maurer nach 14-jährigem „meisterhaften Dienst" von Regierungsschuldirektor Ortner und Bürgermeister Danzer in den Ruhestand verabschiedet worden war. Im selben Jahr erfolgte auch eine Schulsprengeländerung. Wegen zu geringer Schülerzahlen wurde die Schule in Ludwigsfeld aufgelöst. Die 52 Grundschüler mussten nun die Verbandsgrundschule besuchen. Die Schule war nun zuständig für Schüler aus den beiden Münchner Stadtteilen Ludwigsfeld und Allach sowie dem Ortsteil Karlsfeld West.

Inzwischen wuchs auch die Private Griechische Schule auf 227 Schüler an, so dass sich insgesamt 550 Kinder in das Haus drängten. 1978 wurde zusätzlich neben der Privaten Griechischen Grund- und Teilhauptschule I auch noch die Private Griechische Teilhauptschule II in das Gebäude eingelagert. Die nunmehr 670 Schüler der drei Schulkörper bedeuteten eine totale Überbelegung.

In den Jahren 1986/89 sank die Schülerzahl der Verbandsgrundschule auf 166 und die Klassenzahl auf 8. In den folgenden Jahren stieg sie wieder, so dass seit 1995 zwölf Klassen mit über 300 Schülern gebildet werden konnten. Ab 1982 verwirklichte die Verbandsgrundschule als eine der ersten Schulen im Landkreis die Idee eines neu konzipierten Pausenhofes mit getrennten Ruhe- und Spielzonen. 1983 erhielt die Schule auch einen neuen Sportplatz. Die sportlichen Aktivitäten, um die sich Rektor Lorenz alljährlich persönlich kümmerte, fanden ihren Höhepunkt in erfolgreichen Schwimm-, Leichtathletik- und Fußballwettkämpfen.

1993 wurde eine der wichtigsten Entscheidungen getroffen. Seit der Schuleinweihung im Jahre 1965 verwaltete das Schulreferat München vertragsgemäß die Verbandsgrundschule. In jahrelangem zähen Ringen wurde der damalige Schulverbandsvorsitzende und Münchener Stadtschulrat Loichinger von Rektor Lorenz überzeugt, dass die Geschäftsstelle des Schulverbandes nach Karlsfeld verlegt werden sollte. Bürgermeister Fritz Nustede, ohne dessen Engagement die für die Schule so wichtige Entscheidung nicht möglich gewesen wäre, übernahm nun den Vorsitz.

Dennoch dürfte die organisatorische Struktur der Verbandsgrundschule die komplizierteste im Landkreis Dachau sein: Die Schule auf Karlsfelder Boden wurde hauptsächlich mit Mitteln der Landeshauptstadt gebaut, so dass der Schuletat von beiden Partnern bestritten werden muss, wobei die Erhaltungskosten des Gebäudes und der umliegenden Fläche von der Stadt München getragen werden.

Im Schuljahr 1998/99 hatte die Schule 348 Schüler in 13 Klassen. Ein Klassenzimmer stand der Förderschule in Dachau für eine schulvorbereitende Einrichtung zur Verfügung. 1999 wurde ein neuer Pausenhof gebaut, dessen Kosten die Gemeinde Karlsfeld zu zwei Drittel und die Stadt München zu einem Drittel trugen.

2001 wurden die Klassenzimmer mit Computern ausgestattet. Ein Jahr später wurde die Schule ans Internet angeschlossen, so dass nun jede Klasse Informationen aus dem Internet holen konnte.

Nach der Pensionierung von Rektor Rudolf Lorenz wurde Ursula Weber im August 2002 zur Schulleiterin der Verbandsgrundschule berufen. Zu diesem Zeitpunkt besuchten 358 Schüler in 14 Klassen die Schule. In den folgenden Jahren gestalteten sich auch für die neue Rektorin die Verhandlungen mit der Stadt München bezüglich der dringend notwendigen Sanierung des Schulgebäudes als äußerst schwierig und zeitaufwändig. Erst im Frühjahr 2009 begann man seitens der Stadt München mit ersten grundlegenden Renovierungsmaßnahmen in den beiden Turnhallen. Die Gymnastik- bzw. Theaterhalle wurde nach Vorschriften der Brandschutzverordnung zu einer modernen Versammlungsstätte umgebaut. Damit können auch weiterhin die das Schulprofil prägenden Theater- und Musikaufführungen stattfinden.

Seit dem Schuljahr 2007/08 existiert an der Verbandsgrundschule eine Mittagsbetreuung unter der Trägerschaft des neu gegründeten Fördervereins, der vom damaligen Elternbeiratsvorsitzenden Dr. Uwe Hera anfänglich zu diesem Zweck ins Leben gerufen wurde. In der Folgezeit hat sich der Förderverein jedoch auch bei der Unterstützung von Schulprojekten und diversen Maßnahmen im Rahmen der Erziehungs- und Bildungsarbeit unserer Schule verdient gemacht.

Bei aller Freude über die dargestellten Maßnahmen muss jedoch bemerkt werden, dass diese sich leider nur auf die Sporthallen und den Außenbereich erstreckt haben.

Das dringend sanierungsbedürftige Hauptgebäude hingegen wurde trotz jahrelanger und hartnäckiger Bemühungen seitens der Schulleitung von der Stadt München immer wieder aus entsprechenden Planungen gestrichen. Im Jahr 2014 nahmen die Verhandlungen allerdings eine entscheidende Wende. Angesichts der Entwicklung umfangreicher Neubaugebiete im Schulsprengel der VGS ergab eine Prognoseberechnung der zu erwartenden Schülerzahlen, dass die Schule erheblich erweitert werden muss. In einer hierzu durchgeführten Wirtschaftlichkeitsanalyse wurde festgestellt, dass ein Neubau einer Sanierung vorzuziehen sei.

Mit Beschluss vom 19.03.2015 machte der Karlsfelder Gemeinderat schließlich den Weg frei für den Neubau einer sechszügigen Grundschule nach dem Münchner Lernhauskonzept. Um den Raumbedarf aufgrund der steigenden Schülerzahlen bereits vor Fertigstellung des Gebäudes sicherzustellen, wurde 2015 auf dem Sportplatz der Schule eine Pavillonanlage mit zwölf Klassenzimmern errichtet, die nach Inbetriebnahme des Neubaus allerdings wieder rückgebaut wird. Nach langwierigen Planungen konnte schließlich 2019 mit den Arbeiten des ersten Bauabschnitts begonnen werden. Nach der für 2021 anvisierten Fertigstellung des neuen Gebäudekomplexes wird im Zuge des zweiten Bauabschnitts auch das alte Hauptgebäude durch einen Neubau ersetzt, der 2023 bezugsfertig sein soll. Mit der dann erfolgten Realisierung einer zukunftsorientierten Schule nach modernstem Raum- und Pädagogikkonzept wird ein neues, richtungsweisendes Kapitel in der rund 60-jährigen Geschichte der Verbandsgrundschule München-Karlsfeld aufgeschlagen werden.

 

 

 

 

Schulleiter/innen der Grundschule in Karlsfeld a. d. Schulstraße
Volksschule BMW-Siedlung  München-Karlsfeld (1948) bzw.
Volksschule München-Gerberau (seit 1957)

Alfred Balles (1948-1949)
Bartholomäus Reinlein (1949-1958)
Franz Roth (1958-1961)
Sebastian Maier (1961-1965)
Kurt Maurer (1963-1965)
Verbandsvolksschule München-Karlsfeld (seit 1961) bzw.
Verbandsgrundschule München-Karlsfeld (seit 1971)

Kurt Maurer (1965-1977)

Rudolf Lorenz ( 1977-2002) 

Ursula Weber (seit August 2002)